"Attention is the rarest and purest form of generosity." Simone Weil
From "Intelligenzija Potsdam" to "Intelligenzija Worldwide":
Am 31. Dezember 2011 wurde die Initiative "Intelligenzija Potsdam" aufgelöst.
"Nachwuchswissenschaftler: Zustände untragbar
,Intelligenzija Potsdam' gibt auf und gründet weltweite Bildungsbewegung"
nachzulesen unter:
Stellungnahme der Intelligenzija Worldwide zum PNN-Artikel vom 27. Januar 2012 ("Nachwuchswissenschaftler: Zustände untragbar"):
"Goodbye, Uni Potsdam! Hier noch ein gut gemeinter Rat, den du dir dringend zu Herzen nehmen solltest: Mach dir schnellstmöglich Gedanken darüber, welche Haltung der Universitätsleitung zur Ausbeutung des akademischen Prekariats du in der Öffentlichkeit vertreten lassen möchtest! Wirf die menschenverachtenden Marginalisierungs- und Spaltungs- strategien über Bord und stell dich auf die Seite derer, die (wie übrigens auch der neue Universitätspräsident) fordern, dass jede Lehrtätigkeit an der Universität Potsdam adäquat entlohnt wird.
Anders als von der Pressesprecherin der Universitätsleitung im oben verlinkten Artikel dargestellt, hat sich die "Intelligenzija Potsdam" zu keinem Zeitpunkt für die Stipendienförderung von Doktorand*innen eingesetzt, sondern stets für die Verbesserung der Situation aller Lehrenden und Studierenden an der Universität Potsdam engagiert - insbesondere der Lehrbeauftragten, Privatdozent*innen und prekär Beschäftigten. Ferner haben wir auch niemals die ,irrige Annahme' vertreten, ,Lehraufträge seien akademische Sprungbretter'."
Das Ende der "Intelligenzija Potsdam" soll gerne als endgültige ABSAGE an die Verantwortlichen im Präsidium der Universität Potsdam und die für die Brandenburgische Bildungsmisere (mit) verantwortlichen Politiker*innen verstanden werden. Denn trotz unseres zweijährigen, öffentlichen Engagements für eine Verbesserung der Situation von Lehrenden und Studierenden an der Universität Potsdam (dokumentiert unter Intelligenzija-Potsdam) haben sie uns keineswegs geholfen, die fortschreitende Ausbeutung des akademischen Prekariats an Brandenburgs Universitäten zu stoppen - geschweige denn für die vom Prekariat betroffenen Nachwuchswissenschaftler*innen an der Universität Potsdam (und darüber hinaus) umfassende, sozial verträgliche und nachhaltige Perspektiven in der universitären Forschung und Lehre zu bieten!
Doch möchten wir vor einem zu frühen Aufatmen derer warnen, denen die IP stets ein Dorn im (blinden) Auge war, denn wir geben keineswegs auf. Im Gegenteil. Wir werden in Bälde das nachholen, was längst überfällig geworden ist: Die Gründung der weltweiten Bildungsbewegung INTELLIGENZIJA. Jede und jeder von Euch, die und der sich für eine bessere Situation in der Bildung, einen achtsameren Umgang miteinander und eine menschlichere Gesellschaft engagieren möchte, ist herzlichst eingeladen, sich uns anzuschließen!
Am 1. April 2012 gründen wir die weltweite Bildungsbewegung "Intelligenzija"!
Dann heißt es:
Welcome to the Global Education Movement "Intelligenzija Worldwide"!
Zentrale Forderungen der "Intelligenzija Worldwide":
Wir wollen gemäß der Forderung der GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft in Deutschland): "Prekariat bekämpfen, Prekäre schützen!" kurzfristig die Situation der Lehrbeauftragten, Privatdozent*innen und aller weiteren prekär Beschäftigten Mitarbeiter*innen an deutschen Universitäten und weltweit verbessern, um zunächst deren Existenz in Wissenschaft und Universität zu sichern.
Langfristig wollen wir aber, dass alle prekären Beschäftigungsverhältnisse in feste Stellen übergehen, diese Stellen adäquat bezahlt werden und die Lehre insgesamt aufgewertet und der Forschung gleichberechtigt zur Seite gestellt wird. Hierzu bedarf es struktureller Veränderungen sowie finanzieller Unterstützung von Seiten der Verantwortlichen in Politik und Universität.
Im Verlauf der Entwicklung dieser Bewegung werden wir den Fokus unseres Engagements zunehmend erweitern, da umfassende und von einer breiten Mehrheit getragene Reformen notwendig sind, um gute und sozial gerechte Bildung als Fundament einer Gesellschaft zu realisieren, in der es sich zu leben lohnt!
JOIN US! Kontakt über: intelligenzijapotsdam@web.de
Zum Aufstand des akademischen Prekariats
Problemanalyse und Chancen bildungspolitischen Engagements
Von Evelyn Kauffenstein und Sabine Volk (Oktober 2011)
Zwei Säulen guter Bildung
Von Sabine Volk
Die beiden Säulen qualitativ hochwertiger, gewinnbringender und nachhaltiger universitärer Bildung sind Forschung und Lehre. Beides befruchtet sich gegenseitig. Die Forschungsarbeit am Schreibtisch, im Labor oder auf dem freien Feld ist für Wissenschaftler*innen, Studierende und letztlich für die ganze Gesellschaft von ebenso entscheidender Bedeutung wie die Vermittlung der Theorie- und Praxiserfahrung an die nachwachsende Intelligenz. Denn es ist die besondere Aufgabe der Studierenden und Nachwuchswissenschaftler*innen, (neue) Forschungsergebnisse kritisch zu hinterfragen, zu erweitern und zu verbessern. In der Vermittlung, aber vor allem auch in der Verteidigung der eigenen, oft ziemlich einsam und mühsam erarbeiteten Ergebnisse, kommen gerade im Dialog mit der nachwachsenden Intelligenz Prozesse in Gang, die für den Fortschritt einer Gesellschaft in jeder Hinsicht von entscheidender Bedeutung sind. So können beispielsweise neu entwickelte, modifizierte (oder auch wiederbelebte) Methodiken und Methoden, Modelle und Statistiken breit diskutiert, kritisch reflektiert, geprüft und aktualisiert werden. Nirgends zeigt sich die gesellschaftliche Relevanz der eigenen Forschungsergebnisse so deutlich, wie in der sich in einem offenen, freien Diskurs vollziehenden (selbst-)kritischen Analyse, welche Hauptbestandteil der alltäglichen Praxis universitärer Lehre sein sollte. Dennoch sind Wissenschaftler*innen aufgrund der bestehenden Strukturen gezwungen, die Lehre weitgehend zu vernachlässigen, da sie sich für die erfolgreiche akademische Karriere in erster Linie als "exzellente" Forscher*innen etablieren müssen.
Wir von der "Intelligenzija Worldwide" fordern: Lehre darf nicht länger als "lästige" Nebentätigkeit gelten. Sie muss der universitären Forschung gleichberechtigt zur Seite gestellt werden. Das bedeutet keineswegs, dass Forschung eine Abwertung erfahren soll. Ganz im Gegenteil: Exzellente Lehre und exzellente Forschung bedingen und bestärken sich GEGENSEITIG und müssen deshalb gleichermaßen gefördert werden.
Regierungen, aber auch Universitätsleitungen, die „forschungsbasierte Lehre“ gewinnbringend durchsetzen möchten, müssen dafür die richtigen Weichen stellen:
1. Es muss zunächst ein öffentlicher Diskurs über den Stellenwert (universitärer) Lehre geführt werden. Dabei müssen insbesondere auch Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen zu Wort kommen und gehört werden.
2. Jede Lehrtätigkeit muss adäquat entlohnt werden.
3. Es muss von Seiten der Staaten sowohl in Lehre als auch in Forschung nachhaltig investiert werden. Besondere Förderung benötigen wenig drittmittelstarke sowie stark frequentierte Fachbereiche.
4. Konkret müssen ausreichend Stellen geschaffen werden, die sowohl Forschungs- als auch Lehrtätigkeit zu adäquaten Bedingungen ermöglichen. Reine Lehrstellen sind innerhalb der bestehenden Strukturen Sackgassenstellen, da die Forschungstätigkeit für die wissenschaftliche Karriere von entscheidender Bedeutung ist.
5. Die Nachrangigkeit von Lehre und Lehrtätigkeit gegenüber der Forschungsarbeit von Wissenschaftler*innen drückt sich nicht zuletzt in der ungleichen finanziellen Förderung der beiden Bereiche aus. Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden.
