Aufgrund der Unterfinanzierung der Universitäten wird das grundständige Lehrangebot zunehmend über Lehrbeauftragte, Privatdozent*innen und weitere "akademische Niedriglöhner" abgesichert.

 

Die Personalkategorie „Lehrbeauftragte“ war ursprünglich dafür vorgesehen – und ist gesetzlich bis heute so definiert – das grundständige Lehrangebot dort zu ergänzen, wo Expertinnen und Experten aus der beruflichen Praxis gefragt sind. (Als Beispiel sei hier das eines Richters genannt, der zur Bereicherung der Lehre neben der eigentlichen Berufsausübung zusätzlich an der Universität lehrt und dafür eine geringe Aufwandsentschädigung erhält.) Der Lehrauftrag wird jedoch aufgrund der Überlastung des festangestellten Personals, die aus der Unterfinanzierung einerseits und den hohen Studierendenzahlen andererseits resultiert, in zunehmendem Maße dazu missbraucht, das Lehrpflichtprogramm möglichst billig zu bestreiten. Dabei ist die Situation an den verschiedenen Fakultäten, Instituten und Fachbereichen sehr unterschiedlich. Es gibt an den meisten Universitäten keine gesicherten Zahlen zur aktuellen Anzahl von Lehrbeauftragten und Lehraufträgen. Somit sind Zweifel an der Verifizierbarkeit des prozentualen Anteils von ca. 10% des Lehrangebots, den Lehrbeauftragte aktuell an deutschen Universitäten bestreiten sollen, mehr als berechtigt. Der Anteil des Lehrangebots, der durch Lehraufträge bestritten wird, divergiert zudem in hohem Maße in den verschiedenen Fachbereichen, Instituten und Fakultäten. Diese Divergenz muss bei jeder Berechnung berücksichtigt werden, um die Verifizierbarkeit der Ergebnisse sowie die Validität der Argumente in der Diskussion um die Verbesserung der Lage der Lehrbeauftragten zu gewährleisten.

Lehrbeauftragte sind KEINE Mitglieder der Universität. Und haben somit weder ein Nutzungsrecht für die Bibliothek, noch ein Wahlrecht, noch einen Anspruch auf einen KITA-PLATZ in der Uni-Kita. Zudem haben sie keine Planungssicherheit, da Lehraufträge nur semesterweise vergeben werden.

 

Die sich aus der Unterfinanzierung der Hochschulen ergebenden Probleme werden auf dem Rücken der Lehrbeauftragten und Niedriglöhner ausgetragen, ohne deren „billige“ Arbeitskraft das Lehrangebot für die Zahl der Studierenden nicht abzusichern wäre. Ohne Lehrbeauftragte und Privatdozenten wäre der universitäre Betrieb nicht aufrecht zu erhalten. Zudem sorgen sie für eine forschungsnahe Vielfalt in der Lehre.