Die "IntelligenzijaPotsdam" in einem einstündigen Radiofeature zum Thema "Akademisches Prekariat" von Annett Krause und Matthias Hilke auf SWR2

 

"Sendung am Mittwoch, 29.2. | 22.05 Uhr | SWR2

Requiem auf einen Traum
Von Annett Krause und Matthias Hilke

Wir leben in einer Bildungsrepublik, einer Wissensgesellschaft. So steht es zumindest in den Parteiprogrammen. Aber wie sieht die Realität dort aus, wo Wissen produziert und vermittelt werden soll: an den Universitäten? Weil feste Stellen eingespart werden, Lehrstuhlinhaber lieber forschen als lehren während die Zahlen der Studierenden steigen, werden immer mehr Honorarkräfte eingestellt. Diese Lehrbeauftragten und Privatdozenten werden allerdings beschämend schlecht bis gar nicht bezahlt, obwohl ohne sie die grundständige Lehre nicht mehr gewährleistet werden kann. Größtenteils weder kranken- noch sozialversichert, führen sie oft ein nomadisches, alleinstehendes Leben, zwischen mehreren Lehraufträgen an verschiedenen Unis zur gleichen Zeit hin- und hergerissen, um ihr Existenzminimum zu sichern. Der Traum von einer akademischen Laufbahn ist für viele längst ausgeträumt. Unaufhaltsam nähert sich eine ganze Akademiker-Generation der Altersarmut."


Nachzulesen unter:
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/feature/-/id=659934/nid=659934/did=9179262/1nsf4vx/index.html

 

(Sobald das Feature wieder online verfügbar ist, werden wir es hier verlinken.) 

FEEDBACK zum Feature

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Kommentare: 8
  • #1

    I.I. (Freitag, 02 März 2012 11:40)

    "Ich habe Euch in der SWR2 Sendung (29.02.2012) gehört. Ich kenne den "Betrieb", die "Anstalt" - oder wie auch immer man moderne Hochschulen nennen möchte. Das muss auf jeden Fall in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Nicht einmal wir Universitären haben so viel Idealismus, als dass wir nur von diesem und Luft leben könnten. Sehr gut, dass Ihr diese Plattform gegründet habt."

  • #2

    Bettina Strewe (Freitag, 02 März 2012 14:23)

    Sehr guter differenzierter und treffender Beitrag. Ganz wichtig zwei Grundaussagen:

    Hoch qualifizierten dauerhaft arbeitenden Personen werden für eine gerade für unsere rohstoffarme, auf human ressource ausgerichtete und angewiesene Gesellschaft dauerhaft so schlechte Bedingungen zugemutet, dass a) die Lehre leiden muss und b) viele WissenschaftlerInnen den Wissenschaftbetrieb oder sogar das Land verlassen (müssen), um ihr Auskommen sichern zu können.

    2. Durch diese dauerhaft schlechten Rahmenbedingungen wird für die Zukunft nicht nur die ehemals gut qualifizierte hiesige Gesellschaft ausbluten, auch die Armut im Alter wird dadurch rapide zunehmen. Da WissenschaftlerInnen aus obigen Gründen meist keine Familie mehr gründen, fehlen überdies die benötigten RentenzahlerInnen.

  • #3

    K.B. (Samstag, 03 März 2012 13:53)

    Der Beitrag spricht die entscheidenden Bedenken, Sorgen und schon enstehenden Probleme auch genau von jenen an, die gerade erst überlegen eine akademische Laufbahn anzustreben. Dies scheint kaum vereinbar mit den gestellten hohen Leistungsanforderungen und macht alles andere als Mut.
    Den Beitrag und die Inititive finde ich wichtig und gut. Nicht nur, weil sich die momenatane Lage der Lehrenden und der Lehre an den Hochschulen verbessern sollte, sondern auch, weil sonst letztendlich irgendwann viele den Mut verlieren, bevor sie überhaupt angefangen haben.

  • #4

    Su.A. (Samstag, 03 März 2012 22:27)

    Vielen Dank fuer den mutigen Bericht, die Aussagen der mutigen Berichtenden und die Gruendung dieses Forums. Es muss wirklich europaweit etwas getan werden.

  • #5

    Johanna D (Mittwoch, 07 März 2012 08:15)

    Ich habe mir die Sendung angehört und wusste dann nicht, ob ich den Kopf noch tiefer in den Sand stecken sollte wegen schier unmöglicher Karrierechancen in einem Bereich der mir am Herzen liegt oder ob ich Euch von Intelligenzija Potsdam meine ganze Kraft geben sollte, damit sich da endlich was bewegt.
    Ich bin keine Lehrende an der Uni, jedoch Doktorandin und würde gerne lehren, aber nicht dauerhaft für einen Hungerlohn. Ich bin auch teilweise überrascht wie sich manch andere Nachwuchswissenschaftler/innen ohne Murren in das System eingliedern und alles hinnehmen. Nicht nur an der Uni und in der Lehre, auch an außeruniversitären Einrichtungen herrscht eine krasse Arbeitsbelastung bei gleichzeitiger Prekarität.
    Und es hat mich schockiert zu hören, dass die Gewerkschaften nichts tun.

  • #6

    Intelligenzija (Mittwoch, 07 März 2012 09:50)

    Liebe Johanna,

    es geht darum, dass wir unsere Kräfte bündeln, damit niemand alleine seine ganze Kraft aufbrauchen muss. Wir müssen uns verbünden, uns austauschen, die Situation an den Universitäten weiter öffentlich sichtbar machen, gemeinsam Lösungsstrategien erarbeiten und diese umsetzen! Dein öffentlicher Kommentar zum Feature ist ein erster wichtiger Schritt. Danke dafür! Du bist uns herzlich willkommen - Kontakt über intelligenzijapotsdam@web.de (Das gilt natürlich auch für alle anderen Interessierten!)

    Mit den besten Wünschen
    von den Aktiven
    der Intelligenzija

  • #7

    e.k. (Mittwoch, 07 März 2012 11:25)

    Nach zwei Jahren Beschäftigung, war ich an zwei Universitäten und bin im mittlerweile vierten Vertrag. Obwohl einer nicht zählt, denn das war ein Lehrauftrag. Den hatte ich übrigens als frische Uni-Absolventin in der grundständigen Lehre, inklusive Nebenjobs, damit ich ihn mir leisten konnte. Stellt euch vor, das Semester beginnt und kein Lehrbeauftragter oder Privatdozent geht hin!
    Wichtig ist auch zu betonen, dass letztlich jede Statusgruppe an den Universitäten mehr oder weniger prekär beschäftigt ist. Mittlerweile gibt es befristete Professorenstellen, das Bundesverfassungsgericht hat die Professorenbesoldung ebenso bemängelt. Die "unterste Kaste" sind aber Privatdozenten, gefolgt von Lehrbeautragten (die nicht im ursprünglichen Sinne eingesetzt werden). Keine Sicherheit, keine oder lächerliche Aufwandsentschädigungen, keine Mitsprache, keine Ressourcen, nichts. Hier gilt: handeln sofort! Langfristig muss die Beschäftigung an Universitäten insgesamt ganz anders gestaltet werden. Auch und vor allem auch im Sinne der Studierenden.
    Der Kommentar von Su.A. stimmt mich nachdenklich. Zwei mal das Wort 'mutig' verweist darauf, wie gefährlich es zu sein scheint, die Dinge zu benennen.
    Sehr guter Radiobeitrag! Informativ, sachlich, viele wichtige Zusammenhänge, zeigt differenziert verschiedene Beschäftigungslagen, gut auch den Frust und die Empörung herauszuhören. Es ist zu hoffen, dass die Medien nicht still stehen und das Thema weiter aufnehmen und verbreiten.
    Lang genug wurde geschwiegen und vertuscht - Zeit, dass der Wind sich dreht.

  • #8

    isabell (Mittwoch, 27 März 2013 14:08)

    Ich höre gerade den Beitrag - hatte von Euch bislang noch nichts gehört, aber mir genau so etwas wie Euch gewünscht. Und dies v.a. seit folgender Situation: Ich bin für einen Lehrauftrag in Lüneburg an der tollen Leuphana geangelt worden, auf den ich eigentlich Lust hatte - und abgesehen davon, dass mir klar war, dass ich mit dem nichts wirklich verdienen würde, war ich doch ziemlich fassungslos, als mich die freundliche Willkomm-Mail ereilte mit der Information, was ich denn dafür erhalte: 14 Sitzungen a 2 Stunden macht für ein Semester = 600 Euro. Grundständige Lehre - in der Lehrerausbildung. Mit Vor- und Nachbereitung wohl nicht mal ein Stundenlohn von 1 Euro? Und es ist sogar nochmal die Hälfte von dem, was es an einer der desaströsen Universitäten im Norden gibt. Eine, wie ich empfinde: Ohrfeige. Mein Bauchgefühl sagt: ablehnen. Und doch habe ich bislang noch nicht Nein gesagt, v.a. nicht wegen der netten Professorin, die händeringend Bedarf decken muss. Aber ich befinde mich seitdem in einer Starre und mag nicht vorbereiten, gar nicht dran denken, dass der Wahnsinn nächste Woche losgeht. Habe noch anderes zu Schreibende abzuarbeiten, für das es freilich kein Geld gibt; kann mich nicht gut konzentrieren, weil ich so viel Wut im Bauch habe. Und eigentlich hab ich auch keine Lust mehr. Es ist so beschämend, dass man das System durch jene "intrinsische" Motivation dann doch auch noch mitträgt ... Stell Dir vor, es wird zur Lehre beauftragt und keiner geht hin ... oder so ähnlich ... so was sollte man mal organisieren ...
    Jedenfalls: ich wüsste gern mehr über euch und hoffe, wie e.k. vor mir, dass sich die Medien mal auf dieses Thema stürzen! In diesem Sinne: Merci!